Worum es geht
Der Naturkalender beantwortet für jeden der 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland drei Fragen: Wann beginnt hier eine Blüte, eine Reife oder die Laubfärbung? Wie war das früher? Und wie weit ist die Natur in diesem Jahr? Dazu kommen Tiere, die an bestimmte Jahreszeiten und Nächte gebunden sind, und der Bodenfrost.
Pflanzen: die Phänologie des Deutschen Wetterdienstes
Der Deutsche Wetterdienst unterhält ein Netz ehrenamtlicher Beobachterinnen und Beobachter. Jahresmelder (6.625 Stationen) schicken am Jahresende einen Bogen mit allen Eintrittsdaten; ihre Reihen reichen bis 1925 zurück. Sofortmelder (1.218 Stationen) melden den Beginn noch am selben Tag. Beide Datensätze stehen unter der Lizenz CC BY 4.0 im Climate Data Center des DWD. Wir verwenden nur Meldungen, deren Qualitätskennzeichen nicht „zweifelhaft“, „ungültig“ oder „falsch“ lautet, und nur Termine in einem plausiblen Zeitfenster je Ereignis.
Seit einigen Jahren beobachtet der DWD Süßkirsche und Apfel getrennt nach früh und spät reifenden Sorten. Für Kirsch- und Apfelblüte führen wir diese Gruppen zu einer Reihe zusammen; je Station und Jahr zählt die früheste Meldung.
Die Termine je Kreis
- Mittel 2010–2024: Für jede Station das Mittel ihrer Beobachtungsjahre 2010 bis 2024, sofern es mindestens fünf gibt. Für den Kreis der Median der Stationen im Kreisgebiet oder höchstens 15 Kilometer vom Kreismittelpunkt. Sind das weniger als drei, kommen die nächsten Stationen bis 50 Kilometer dazu, höchstens sechs. „Wenige Stationen“ steht dabei, wenn es auch dann weniger als drei sind.
- Mittel 1961–1990: Dasselbe für die Referenzperiode der Weltorganisation für Meteorologie. Die Differenz ist die „Veränderung“.
- Die Jahre seit 1991: Median aller Meldungen aus dem Kreis und seiner Umgebung je Jahr, mindestens zwei Meldungen.
- Das laufende Jahr: Ab zwei Meldungen zählt deren Median; eine einzelne Meldung nur, wenn sie nicht mehr als zwölf Tage vor dem erwarteten Termin liegt. Meldungen der Sofort- und Jahresmelder aus dem Kreis oder höchstens 15 Kilometer vom Mittelpunkt. Liegt eine vor, gilt das Ereignis als „gemeldet“; sonst rechnen wir den erwarteten Termin aus dem Mittel und der Abweichung des Jahres in der Region. Die Abweichung stammt nur von Sofortmeldern, die in beiden Vorjahren gemeldet haben, im Umkreis von 100 Kilometern. Wer von ihnen dieses Jahr noch nicht gemeldet hat, zählt als „später“. Eine Aussage gibt es erst, wenn mindestens die Hälfte gemeldet hat; so wirkt ein Jahr zu Saisonbeginn nicht zu früh, nur weil die frühen Stationen zuerst melden.
- Dauer: Wie lange ein Ereignis zu sehen ist, beruht auf einer festen Spanne je Ereignis, etwa zwölf Tage für die Kirschblüte oder fünf Wochen für die Heide. Das ist eine Näherung, kein Messwert.
Die phänologischen Jahreszeiten
Der DWD teilt das Jahr in zehn Jahreszeiten, die jeweils mit einer Zeigerpflanze beginnen: Vorfrühling (Hasel blüht), Erstfrühling (Forsythie), Vollfrühling (Apfel), Frühsommer (Holunder), Hochsommer (Sommerlinde), Spätsommer (Frühäpfel reif), Frühherbst (Holunderbeeren reif), Vollherbst (Eicheln reif), Spätherbst (Stieleiche färbt sich) und Winter (Stieleiche wirft das Laub ab). Für jeden Kreis zeigen wir, welche davon heute gilt: nach der ersten Meldung aus der Nähe oder, wenn es keine gibt, nach dem erwarteten Termin.
Auf dem Feld: Spargel und Erdbeeren
Spargel. Den Spargel beobachtet der DWD nicht. Er wächst aber erst, wenn der Boden warm genug ist; im Spargelbau gilt die Faustregel von etwa 12 °C in 20 Zentimetern Tiefe. Wir verwenden die Bodentemperatur, die der DWD mit dem Modell AMBETI täglich für rund 480 Stationen berechnet (derived_germany/soil/daily, CC BY 4.0). Als Beginn zählt der erste Tag ab dem 15. Februar, an dem der Boden in 20 Zentimetern Tiefe sieben Tage in Folge mindestens 12 °C hat. Für den Kreis gilt der Median der bis zu drei nächsten Stationen im Umkreis von 40 Kilometern, das Mittel stammt aus den Jahren 2010 bis 2024, der Vergleich aus 1991 bis 2000. Das Ende am 24. Juni ist die Tradition des Johannistags. Folie, Tunnel und Bodenheizung verfrühen die Ernte; die Termine hier gelten ohne diese Hilfen. Das Modell rechnet für unbewachsenen Boden; Spargeldämme auf Sand erwärmen sich eher schneller.
Erdbeeren. Der DWD führt die Erdbeere in seinem Katalog, veröffentlicht aber keine Beobachtungen. Belegt ist der grobe Kalender: Die ersten Früchte aus dem Folienanbau kommen Ende Mai, aus dem Freiland etwa eine Woche später, Hochsaison ist im Juni und Juli. Wie früh ein Kreis dran ist, schätzen wir aus dem phänologischen Frühsommer: Beginn der Freilandernte = Holunderblüte im Kreis plus ein fester Versatz, der den deutschen Mittelwert auf Anfang Juni legt. Im laufenden Jahr folgt die Schätzung der tatsächlich gemeldeten Holunderblüte. Das ist eine Näherung und steht auf jeder Seite als Schätzung.
Tiere: Funde aus GBIF
Für Kröten, Glühwürmchen, Feuersalamander, Störche, Kraniche und Rothirsche zählen wir die Funde in der weltweiten Artendatenbank GBIF (Global Biodiversity Information Facility) seit dem Jahr 2000, je Kreis und Monat. Darin stecken Kartierungen der Länder, Daten von Naturschutzverbänden und Beobachtungen aus Apps. Die Zahl sagt, wo und wann eine Art gefunden wurde; sie hängt auch davon ab, wie viele Menschen irgendwo beobachten. Keine Funde heißt nicht, dass eine Art fehlt. Fundorte zeigen wir nie genauer als auf Kreisebene, beim Feuersalamander auch zum Schutz vor der Hautpilz-Krankheit Bsal.
Heute Nacht: Faustregeln
Ob die Nacht passt, beurteilen wir mit einfachen Regeln aus der Wettervorhersage MOSMIX des DWD für die nächstgelegene Station:
- Krötenwanderung (15. Februar bis 30. April): gut ab 5 °C um 20 Uhr, wenn es regnet oder die Luft sehr feucht ist; mittel ab 5 °C bei trockener Luft.
- Glühwürmchen (25. Mai bis 31. Juli): gut ab 15 °C um 22 Uhr ohne Regen und bei wenig Wind; mittel ab 12 °C.
- Feuersalamander (März bis Oktober): gut ab 7 °C um 22 Uhr bei Regen; mittel ab 6 °C bei leichtem Regen oder fast gesättigter Luft.
- Hirschbrunft (10. September bis 20. Oktober): klar und kühl gilt als beste Hörnacht.
- Bodenfrost: tiefste Temperatur fünf Zentimeter über dem Boden zwischen 18 und 9 Uhr, 0 °C und darunter.
Das sind Faustregeln, wie sie Naturschutzverbände verwenden, keine Vorhersage des Tierverhaltens.
Grenzen
- Phänologische Stationen sind ungleich verteilt. In manchen Kreisen stützt sich ein Termin auf wenige Beobachter oder auf Stationen in den Nachbarkreisen.
- Höhenunterschiede innerhalb eines Kreises gleichen wir nicht aus. In Mittelgebirgskreisen beginnt der Frühling auf den Höhen deutlich später als im Tal.
- Die Sofortmeldungen des laufenden Jahres sind noch nicht vom DWD geprüft.
- Zierkirschen, frühe und späte Sorten, Gärten und Stadtklima weichen von den beobachteten Pflanzen ab.
Stand der Daten: 13.09.2026, 23:21 Uhr. Phänologie zuletzt gerechnet 2026-09-13 22:21.
